Effektprofil
Beschreibt die akute Wirkung. Dieses Profil beeinflusst den OpenMind Score nicht.
Noch keine Effektprofile. Beschreibe die akute Wirkung, ohne einen Langzeit-Score zu vergeben.
Zum Eintragen bitte einloggen
EinloggenBeschreibung
Kanna ist der gebräuchliche Name für Sceletium tortuosum (Syn. Mesembryanthemum tortuosum), eine niedrig wachsende Sukkulente der Familie Aizoaceae, heimisch in den semi-ariden Kapprovinzen Südafrikas. Die San und Khoikhoi nutzten die Pflanze seit Jahrtausenden als Kaumittel — das getrocknete, fermentierte Material (bekannt als Kougoed oder Kauwgoed) wurde zur Stimmungsaufhellung, zur Unterdrückung von Hunger und Durst bei langen Jagden, zur Angstlinderung sowie als soziales und spirituelles Sakrament verwendet. Die erste europäische schriftliche Erwähnung der Kanna-Nutzung stammt aus dem Jahr 1662 von Jan van Riebeeck; im 18. Jahrhundert war Kanna eine bedeutende Handelsware in der vorkolonialen Tauschökonomie des südlichen Afrikas.
Heute ist Kanna weltweit als getrocknetes Pflanzenmaterial, Pulver, standardisierte Extrakte (z. B. Zembrin®, Trimesemine™), Tinkturen und Kapseln erhältlich. Es wird oral, sublingual, als Schnupfmittel (insuffliert) oder gelegentlich geraucht konsumiert.
Chemie
Sceletium tortuosum enthält 1–1,5 % Gesamtalkaloide bezogen auf das Trockengewicht, wobei über 25 Einzelverbindungen in vier Strukturklassen identifiziert wurden: Mesembrin-Typ (dominant), Sceletium-A4-Typ, Joubertiamin-Typ und Tortuosamin-Typ. Die wichtigsten Wirkstoffe sind:
- Mesembrin — 0,3 % in den Wurzeln, 0,86 % in oberirdischen Pflanzenteilen; der psychoaktive Hauptbestandteil
- Mesembrenon (Δ⁷-Mesembrenon) — dominiert in fermentierten Zubereitungen; entsteht aus Mesembrin durch Sonnenlicht und wässrige Bedingungen
- Mesembrenol — in geringeren Mengen vorhanden
- Tortuosamin — untergeordnetes, aber pharmakologisch aktives Alkaloid
Die traditionelle Fermentation wandelt Mesembrin in Mesembrenon um und reduziert gleichzeitig den Oxalatgehalt (3,6–5,1 % im Rohmaterial, vergleichbar mit Spinat) — das Ergebnis ist eine sicherere Zubereitung mit verändertem, als psychoaktiver beschriebenem Alkaloidprofil. Unfermentiertes Material enthält mehr Gesamtalkaloide, aber geringere Bioverfügbarkeit; fermentierte Extrakte zeigen verbesserte Permeation durch Mund- und Darmschleimhaut.
Pharmakologie
Kanna zeigt einen dualen pharmakologischen Mechanismus, der es von den meisten klassischen Psychoaktiva unterscheidet:
- Serotonin-Wiederaufnahmehemmung (SRI) — Mesembrin hemmt potent den Serotonin-Transporter (SERT) mit einem IC₅₀ von ca. 1,4 nM für reines Mesembrin. Ein standardisierter ethanolischer Extrakt zeigt einen SERT-IC₅₀ von 4,3 µg/ml.
- Monoamin-Freisetzung — Mesembrin-reiche Extrakte (Trimesemine™) regulieren den vesikulären Monoamintransporter-2 (VMAT2) hoch und fördern so die Freisetzung von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin aus synaptischen Vesikeln. VMAT2-vermittelte Monoaminfreisetzung gilt mittlerweile als primärer Mechanismus der akuten stimmungsaufhellenden Wirkung, wobei die SRI-Aktivität sekundär ist.
Weitere pharmakologische Aktivitäten umfassen:
- PDE4-Hemmung — IC₅₀ von 8,5 µg/ml für einen standardisierten Extrakt; relevant für entzündungshemmende, anxiolytische und pro-kognitive Effekte
- Acetylcholinesterase-(AChE)-Hemmung — mild; fermentierte und unfermentierte Extrakte zeigen stärkere Aktivität als Mesembrin allein, was auf synergistische Alkaloidbeiträge hindeutet
- CB1-Rezeptor-Blockade — Endocannabinoid-Modulation; CB1-Rezeptoren sind mit SERT kolokalisiert und modulieren die Serotoninfreisetzung
- Milde MAO-A-Hemmung — schwach, aber vorhanden; erhöht die serotonerge Last und erklärt gewisse Interaktionsrisiken
- CYP17A1-Hemmung — moduliert die Glukokortikoid-, Mineralokortikoid- und Androgenproduktion, potenziell relevant für die Stressreaktion
Die orale Bioverfügbarkeit ist moderat; die sublinguale/bukkale Absorption ist aufgrund der direkten Schleimhautaufnahme der Alkaloide deutlich höher. Insufflation bietet den schnellsten Wirkungseintritt bei kürzester Wirkdauer.
Wirkungen
In niedrigen bis mittleren Dosen wirkt Kanna primär als Stimulans-Empathogen:
- Stimmungsaufhellung, sanfte Euphorie, gesteigerte Geselligkeit und Empathie
- Verbesserte sensorische Wahrnehmung (Musik, Berührung)
- Anxiolyse und Stressreduktion
- Appetit- und Durstunterdrückung
- Leichte kognitive Schärfung (einige klinische Studien zeigen verbesserte exekutive Funktionen und kognitive Flexibilität)
In höheren Dosen verschiebt sich das Wirkprofil deutlich hin zur Sedierung:
- Ausgeprägte Sedierung, Benommenheit und tiefe Entspannung
- Mögliche Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen
- Verminderte motorische Koordination
- Veränderte Zeitwahrnehmung (ohne klassisch halluzinogene Wirkung)
Subjektive Berichte vergleichen den empathogenen Höhepunkt von Kanna häufig mit einer milderen, kürzeren MDMA-Erfahrung — ein Eindruck, der mit der dualen SRI- und Monoamin-freisetzenden Pharmakologie übereinstimmt. Kanna fehlt jedoch der starke dopaminerge und noradrenerge Schub von MDMA, was zu einer sanfteren und besser kontrollierbaren Erfahrung führt.
Schadensminimierung
- Das Serotoninsyndrom ist das primäre pharmakologische Risiko. Die Kombination aus SRI- und monoaminfreisetzender Aktivität bedeutet, dass jede zusätzliche serotonerge Last zur Toxizität führen kann. MAO-Hemmer, SSRIs/SNRIs, Tramadol und MDMA sind die gefährlichsten Kombinationspartner.
- Extrakte vs. Rohpflanze: Ein „50×"-Extrakt enthält etwa die 50-fache Alkaloidkonzentration des Rohpflanzenmaterials nach Gewicht. Extraktdosierungen und Rohpflanzendosierungen als austauschbar zu behandeln ist eine häufige Ursache unerwartet intensiver Wirkungen.
- Kardiovaskuläre Aspekte: Kanna kann Herzfrequenz und Blutdruck moderat erhöhen. Personen mit Herzkrankheiten, unkontrolliertem Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen sollten Vorsicht walten lassen.
- Chronischer Gebrauch: Tierstudien zeigen keine toxischen Effekte bei Dosen bis zu 5.000 mg/kg/Tag bei Ratten über 14 Tage. Keine physische Abhängigkeit oder Entzugssymptome wurden beim Menschen nach Absetzen dokumentiert. Täglicher Gebrauch kann jedoch zu psychischer Gewöhnung führen.
- Toxikologie: Das Sicherheitsprofil in Tiermodellen ist günstig (NOAEL von 71,4 mg/kg in 90-Tage-Rattenstudien). Der Oxalatgehalt im Rohmaterial (3,6–5,1 %) ist vergleichbar mit Spinat oder Grünkohl und wird durch Fermentation weitgehend reduziert.
- Verwechslungsrisiko: Im Gegensatz zu vielen psychoaktiven Substanzen hat Kanna ein geringes Verfälschungsrisiko, da die Pflanze weit verbreitet kultiviert wird und kostengünstig ist. Die Extraktpotenz variiert jedoch zwischen Anbietern erheblich — immer mit einer kleinen Testdosis jeder neuen Charge beginnen.
Verwandte Verbindungen
- Mesembrin — das Hauptalkaloid; kommt auch in anderen Sceletium-Arten vor (S. emarcidum, S. expansum)
- Zembrin® — ein patentierter standardisierter Extrakt aus S. tortuosum (standardisiert auf 0,4 % Gesamtalkaloide der vier Hauptalkaloide), der in den meisten veröffentlichten klinischen Studien verwendet wurde
- Trimesemine™ — ein Mesembrin-reicher Extrakt, der auf seine monoaminfreisetzenden Eigenschaften untersucht wurde
- MDMA — teilt das empathogene Wirkprofil, wirkt aber über grundlegend andere Primärmechanismen (direkte Serotoninfreisetzung vs. SRI + vesikuläre Freisetzung)
- Kratom (Mitragyna speciosa) — eine weitere traditionelle Pflanze mit dosisabhängiger stimulierender bis sedierender Pharmakologie, die jedoch über Opioid- und adrenerge Rezeptoren statt serotonerge wirkt
Dosierung
Oral
| Schwelle | Leicht | Standard | Stark | Schwer |
|---|---|---|---|---|
| 50-200 mg | 200-500 mg | 500-1000 mg | 1000-2000 mg | 2000-3000 mg |
Nasal
| Schwelle | Leicht | Standard | Stark | Schwer |
|---|---|---|---|---|
| 10-25 mg | 25-50 mg | 50-100 mg | 100-250 mg | 250-500 mg |
Sublingual
| Schwelle | Leicht | Standard | Stark | Schwer |
|---|---|---|---|---|
| 50-100 mg | 100-250 mg | 250-500 mg | 500-1000 mg | 1000-2000 mg |
Wirkdauer
Oral
Nasal
Sublingual
Safer Use
- Alle angegebenen Dosierungen beziehen sich auf getrocknetes Sceletium-tortuosum-Pflanzenmaterial. Standardisierte Extrakte (z. B. Zembrin, 10×-, 20×-, 50×-Konzentrate) sind deutlich potenter — durch den angegebenen Konzentrationsfaktor teilen und am unteren Ende beginnen.
- Kanna hemmt die Serotonin-Wiederaufnahme und fördert die Monoamin-Freisetzung. NICHT mit MAO-Hemmern (z. B. Ayahuasca, Syrische Steppenraute, Moclobemid), SSRIs, SNRIs oder Tramadol kombinieren — Risiko eines potenziell tödlichen Serotoninsyndroms.
- Nicht mit MDMA, MDA oder anderen empathogenen Releasern kombinieren. Beide Substanzen erhöhen Serotonin über komplementäre Mechanismen und steigern das Risiko von Serotonintoxizität, Hyperthermie und kardiovaskulärer Belastung.
- Niedrig anfangen, besonders bei Extrakten oder nasaler Einnahme. Die Wirkung kann zwischen Chargen, Extrakttypen und Personen stark variieren. Mindestens 90 Minuten warten, bevor eine höhere orale Dosis in Betracht gezogen wird.
- Nasale Einnahme (Insufflation) ist wirksam, aber extrem schmerzhaft und reizend für die Nasenschleimhaut. Bei dieser Route die kleinstmögliche wirksame Dosis verwenden, Nasenlöcher abwechseln und anschließend mit Kochsalzlösung spülen.
- Höhere Dosen wirken sedierend, nicht stimulierend. Nach mittleren bis starken Dosen kein Auto fahren und keine Maschinen bedienen. Euphorische Effekte bei berauschenden Dosen können in deutliche Sedierung übergehen.
- Ausreichend trinken und leicht essen. Nebenwirkungen bei höheren Dosen umfassen Übelkeit, Kopfschmerzen, erhöhten Appetit und Durst. Wasser oder Elektrolytgetränke über die Wirkdauer verteilt trinken.
- Bei Einnahme psychiatrischer Medikamente — insbesondere Antidepressiva, Stimmungsstabilisatoren oder Anxiolytika — vor der Verwendung von Kanna ärztlichen Rat einholen. Die serotonerge Aktivität kann mit vielen verschreibungspflichtigen Medikamenten interagieren.
- Die traditionelle Fermentation von Rohmaterial reduziert den Oxalatgehalt und verändert das Alkaloidprofil. Unfermentierte (rohe) Zubereitungen können höhere Oxalatwerte enthalten, die in großen Mengen Mund und Magen-Darm-Trakt reizen können.
- Verwendung während Schwangerschaft und Stillzeit vermeiden. Für diese Bevölkerungsgruppen liegen keine Humandaten zur Sicherheit vor. Tierstudien zeigen ein günstiges Sicherheitsprofil bei moderaten Dosen, dies begründet jedoch keine Sicherheit für vulnerable Gruppen.
Rechtsstatus
Diese Informationen dienen ausschließlich zu Bildungszwecken und stellen KEINE Rechtsberatung dar. Gesetze ändern sich häufig und können je nach Region, Bundesland oder Gemeinde variieren. Überprüfen Sie immer den aktuellen Rechtsstatus in Ihrer Gerichtsbarkeit, bevor Sie Entscheidungen treffen. Open Mind übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität dieser Daten.
Länderdetails 12 Länder anzeigen
DE Deutschland Legal
Kanna (Sceletium tortuosum) and its alkaloids are not scheduled substances in Germany.
Kanna is widely available in German smartshops and online. Not listed in the BtMG or NpSG. The NpSG (Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz) covers only specific structural classes, and mesembrine-type alkaloids are not among them.
AT Österreich Legal
Kanna is not a controlled substance in Austria.
Not listed under the Austrian SMG (Suchtmittelgesetz) or NPSG.
CH Schweiz Legal
Kanna is not a controlled substance in Switzerland.
Mesembrine and other Sceletium alkaloids are not listed in the Swiss BetmVV-EDI annexes.
NL Niederlande Legal
Kanna is legal in the Netherlands and widely sold in smartshops.
Not listed under the Opium Act (Opiumwet). Mesembrine alkaloids are not scheduled.
FR Frankreich Legal
Kanna is not a controlled substance in France.
Mesembrine and Sceletium tortuosum are not listed in the French public health code (Code de la santé publique) drug schedules.
ES Spanien Legal
Kanna is not a controlled substance in Spain.
Not listed in Spain's controlled substances schedules.
IT Italien Legal
Kanna is not a controlled substance in Italy.
Sceletium tortuosum and mesembrine are not listed in Italy's controlled substances tables.
US Vereinigte Staaten Legal
Kanna is not a scheduled substance in the United States and is sold as a dietary supplement.
Mesembrine is not listed in the CSA schedules. Kanna is sold by numerous US supplement companies. The FDA has not approved mesembrine for any medical use but does not prohibit sale as a supplement.
CA Kanada Legal
Kanna is not a controlled substance in Canada.
Not listed in the CDSA schedules. Available from Canadian supplement vendors.
AU Australien Legal
Kanna is not explicitly scheduled in Australia.
Mesembrine and Sceletium tortuosum are not listed in the SUSMP (Poisons Standard). Analogue provisions theoretically could apply but have not been used against kanna.
ZA Südafrika Legal
Kanna is legal in South Africa, its country of origin, and is cultivated commercially.
Sceletium tortuosum is indigenous to South Africa and not listed under the Medicines and Related Substances Act. Wild harvesting is subject to biodiversity regulations in some provinces.
GB Vereinigtes Königreich
Kanna may be captured by the Psychoactive Substances Act 2016 as a substance capable of producing psychoactive effects.
The PSA 2016 blanket-bans all psychoactive substances not specifically exempted. Kanna is not exempted but enforcement against herbal products remains minimal. Some UK vendors continue to sell kanna openly.
Videos
Community-Erfahrungen
Eine einzelne Erfahrung teilen — fließt nicht in den OpenMind Score ein.
Kommentare
Zum Kommentieren bitte einloggen
EinloggenAlles in der OpenMind App
Tracke deinen Konsum, prüfe Kombinationen und finde Safer-Use-Tipps – auch offline.
Noch keine Kommentare.