Kanna

Kanna

Sceletium tortuosum, Channa, Kougoed, Kauwgoed

💊
Typische Dosis 500-1000 mg
⏱️
Wirkdauer 2 Std - 5 Std
⚠️
Interaktionsrisiko Unbekannt
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Effektprofil

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Beschreibung

Kanna ist der gebräuchliche Name für Sceletium tortuosum (Syn. Mesembryanthemum tortuosum), eine niedrig wachsende Sukkulente der Familie Aizoaceae, heimisch in den semi-ariden Kapprovinzen Südafrikas. Die San und Khoikhoi nutzten die Pflanze seit Jahrtausenden als Kaumittel — das getrocknete, fermentierte Material (bekannt als Kougoed oder Kauwgoed) wurde zur Stimmungsaufhellung, zur Unterdrückung von Hunger und Durst bei langen Jagden, zur Angstlinderung sowie als soziales und spirituelles Sakrament verwendet. Die erste europäische schriftliche Erwähnung der Kanna-Nutzung stammt aus dem Jahr 1662 von Jan van Riebeeck; im 18. Jahrhundert war Kanna eine bedeutende Handelsware in der vorkolonialen Tauschökonomie des südlichen Afrikas.

Heute ist Kanna weltweit als getrocknetes Pflanzenmaterial, Pulver, standardisierte Extrakte (z. B. Zembrin®, Trimesemine™), Tinkturen und Kapseln erhältlich. Es wird oral, sublingual, als Schnupfmittel (insuffliert) oder gelegentlich geraucht konsumiert.

Chemie

Sceletium tortuosum enthält 1–1,5 % Gesamtalkaloide bezogen auf das Trockengewicht, wobei über 25 Einzelverbindungen in vier Strukturklassen identifiziert wurden: Mesembrin-Typ (dominant), Sceletium-A4-Typ, Joubertiamin-Typ und Tortuosamin-Typ. Die wichtigsten Wirkstoffe sind:

  • Mesembrin — 0,3 % in den Wurzeln, 0,86 % in oberirdischen Pflanzenteilen; der psychoaktive Hauptbestandteil
  • Mesembrenon (Δ⁷-Mesembrenon) — dominiert in fermentierten Zubereitungen; entsteht aus Mesembrin durch Sonnenlicht und wässrige Bedingungen
  • Mesembrenol — in geringeren Mengen vorhanden
  • Tortuosamin — untergeordnetes, aber pharmakologisch aktives Alkaloid

Die traditionelle Fermentation wandelt Mesembrin in Mesembrenon um und reduziert gleichzeitig den Oxalatgehalt (3,6–5,1 % im Rohmaterial, vergleichbar mit Spinat) — das Ergebnis ist eine sicherere Zubereitung mit verändertem, als psychoaktiver beschriebenem Alkaloidprofil. Unfermentiertes Material enthält mehr Gesamtalkaloide, aber geringere Bioverfügbarkeit; fermentierte Extrakte zeigen verbesserte Permeation durch Mund- und Darmschleimhaut.

Pharmakologie

Kanna zeigt einen dualen pharmakologischen Mechanismus, der es von den meisten klassischen Psychoaktiva unterscheidet:

  1. Serotonin-Wiederaufnahmehemmung (SRI) — Mesembrin hemmt potent den Serotonin-Transporter (SERT) mit einem IC₅₀ von ca. 1,4 nM für reines Mesembrin. Ein standardisierter ethanolischer Extrakt zeigt einen SERT-IC₅₀ von 4,3 µg/ml.
  2. Monoamin-Freisetzung — Mesembrin-reiche Extrakte (Trimesemine™) regulieren den vesikulären Monoamintransporter-2 (VMAT2) hoch und fördern so die Freisetzung von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin aus synaptischen Vesikeln. VMAT2-vermittelte Monoaminfreisetzung gilt mittlerweile als primärer Mechanismus der akuten stimmungsaufhellenden Wirkung, wobei die SRI-Aktivität sekundär ist.

Weitere pharmakologische Aktivitäten umfassen:

  • PDE4-Hemmung — IC₅₀ von 8,5 µg/ml für einen standardisierten Extrakt; relevant für entzündungshemmende, anxiolytische und pro-kognitive Effekte
  • Acetylcholinesterase-(AChE)-Hemmung — mild; fermentierte und unfermentierte Extrakte zeigen stärkere Aktivität als Mesembrin allein, was auf synergistische Alkaloidbeiträge hindeutet
  • CB1-Rezeptor-Blockade — Endocannabinoid-Modulation; CB1-Rezeptoren sind mit SERT kolokalisiert und modulieren die Serotoninfreisetzung
  • Milde MAO-A-Hemmung — schwach, aber vorhanden; erhöht die serotonerge Last und erklärt gewisse Interaktionsrisiken
  • CYP17A1-Hemmung — moduliert die Glukokortikoid-, Mineralokortikoid- und Androgenproduktion, potenziell relevant für die Stressreaktion

Die orale Bioverfügbarkeit ist moderat; die sublinguale/bukkale Absorption ist aufgrund der direkten Schleimhautaufnahme der Alkaloide deutlich höher. Insufflation bietet den schnellsten Wirkungseintritt bei kürzester Wirkdauer.

Wirkungen

In niedrigen bis mittleren Dosen wirkt Kanna primär als Stimulans-Empathogen:

  • Stimmungsaufhellung, sanfte Euphorie, gesteigerte Geselligkeit und Empathie
  • Verbesserte sensorische Wahrnehmung (Musik, Berührung)
  • Anxiolyse und Stressreduktion
  • Appetit- und Durstunterdrückung
  • Leichte kognitive Schärfung (einige klinische Studien zeigen verbesserte exekutive Funktionen und kognitive Flexibilität)

In höheren Dosen verschiebt sich das Wirkprofil deutlich hin zur Sedierung:

  • Ausgeprägte Sedierung, Benommenheit und tiefe Entspannung
  • Mögliche Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen
  • Verminderte motorische Koordination
  • Veränderte Zeitwahrnehmung (ohne klassisch halluzinogene Wirkung)

Subjektive Berichte vergleichen den empathogenen Höhepunkt von Kanna häufig mit einer milderen, kürzeren MDMA-Erfahrung — ein Eindruck, der mit der dualen SRI- und Monoamin-freisetzenden Pharmakologie übereinstimmt. Kanna fehlt jedoch der starke dopaminerge und noradrenerge Schub von MDMA, was zu einer sanfteren und besser kontrollierbaren Erfahrung führt.

Schadensminimierung

  • Das Serotoninsyndrom ist das primäre pharmakologische Risiko. Die Kombination aus SRI- und monoaminfreisetzender Aktivität bedeutet, dass jede zusätzliche serotonerge Last zur Toxizität führen kann. MAO-Hemmer, SSRIs/SNRIs, Tramadol und MDMA sind die gefährlichsten Kombinationspartner.
  • Extrakte vs. Rohpflanze: Ein „50×"-Extrakt enthält etwa die 50-fache Alkaloidkonzentration des Rohpflanzenmaterials nach Gewicht. Extraktdosierungen und Rohpflanzendosierungen als austauschbar zu behandeln ist eine häufige Ursache unerwartet intensiver Wirkungen.
  • Kardiovaskuläre Aspekte: Kanna kann Herzfrequenz und Blutdruck moderat erhöhen. Personen mit Herzkrankheiten, unkontrolliertem Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen sollten Vorsicht walten lassen.
  • Chronischer Gebrauch: Tierstudien zeigen keine toxischen Effekte bei Dosen bis zu 5.000 mg/kg/Tag bei Ratten über 14 Tage. Keine physische Abhängigkeit oder Entzugssymptome wurden beim Menschen nach Absetzen dokumentiert. Täglicher Gebrauch kann jedoch zu psychischer Gewöhnung führen.
  • Toxikologie: Das Sicherheitsprofil in Tiermodellen ist günstig (NOAEL von 71,4 mg/kg in 90-Tage-Rattenstudien). Der Oxalatgehalt im Rohmaterial (3,6–5,1 %) ist vergleichbar mit Spinat oder Grünkohl und wird durch Fermentation weitgehend reduziert.
  • Verwechslungsrisiko: Im Gegensatz zu vielen psychoaktiven Substanzen hat Kanna ein geringes Verfälschungsrisiko, da die Pflanze weit verbreitet kultiviert wird und kostengünstig ist. Die Extraktpotenz variiert jedoch zwischen Anbietern erheblich — immer mit einer kleinen Testdosis jeder neuen Charge beginnen.

Verwandte Verbindungen

  • Mesembrin — das Hauptalkaloid; kommt auch in anderen Sceletium-Arten vor (S. emarcidum, S. expansum)
  • Zembrin® — ein patentierter standardisierter Extrakt aus S. tortuosum (standardisiert auf 0,4 % Gesamtalkaloide der vier Hauptalkaloide), der in den meisten veröffentlichten klinischen Studien verwendet wurde
  • Trimesemine™ — ein Mesembrin-reicher Extrakt, der auf seine monoaminfreisetzenden Eigenschaften untersucht wurde
  • MDMA — teilt das empathogene Wirkprofil, wirkt aber über grundlegend andere Primärmechanismen (direkte Serotoninfreisetzung vs. SRI + vesikuläre Freisetzung)
  • Kratom (Mitragyna speciosa) — eine weitere traditionelle Pflanze mit dosisabhängiger stimulierender bis sedierender Pharmakologie, die jedoch über Opioid- und adrenerge Rezeptoren statt serotonerge wirkt
Wirkung & Dosierung

Dosierung

Oral

Schwelle Leicht Standard Stark Schwer
50-200 mg 200-500 mg 500-1000 mg 1000-2000 mg 2000-3000 mg

Nasal

Schwelle Leicht Standard Stark Schwer
10-25 mg 25-50 mg 50-100 mg 100-250 mg 250-500 mg

Sublingual

Schwelle Leicht Standard Stark Schwer
50-100 mg 100-250 mg 250-500 mg 500-1000 mg 1000-2000 mg

Wirkdauer

Oral

Wirkungseintritt 30 Min - 1 Std 30 Min
Gesamtdauer 2 Std - 5 Std
Nachwirkungen 1 Std - 6 Std

Nasal

Wirkungseintritt 2 Min - 15 Min
Gesamtdauer 1 Std - 2 Std
Nachwirkungen 30 Min - 2 Std

Sublingual

Wirkungseintritt 15 Min - 30 Min
Gesamtdauer 1 Std 30 Min - 4 Std
Nachwirkungen 1 Std - 3 Std
Sicherheit & Risiken

Safer Use

  1. Alle angegebenen Dosierungen beziehen sich auf getrocknetes Sceletium-tortuosum-Pflanzenmaterial. Standardisierte Extrakte (z. B. Zembrin, 10×-, 20×-, 50×-Konzentrate) sind deutlich potenter — durch den angegebenen Konzentrationsfaktor teilen und am unteren Ende beginnen.
  2. Kanna hemmt die Serotonin-Wiederaufnahme und fördert die Monoamin-Freisetzung. NICHT mit MAO-Hemmern (z. B. Ayahuasca, Syrische Steppenraute, Moclobemid), SSRIs, SNRIs oder Tramadol kombinieren — Risiko eines potenziell tödlichen Serotoninsyndroms.
  3. Nicht mit MDMA, MDA oder anderen empathogenen Releasern kombinieren. Beide Substanzen erhöhen Serotonin über komplementäre Mechanismen und steigern das Risiko von Serotonintoxizität, Hyperthermie und kardiovaskulärer Belastung.
  4. Niedrig anfangen, besonders bei Extrakten oder nasaler Einnahme. Die Wirkung kann zwischen Chargen, Extrakttypen und Personen stark variieren. Mindestens 90 Minuten warten, bevor eine höhere orale Dosis in Betracht gezogen wird.
  5. Nasale Einnahme (Insufflation) ist wirksam, aber extrem schmerzhaft und reizend für die Nasenschleimhaut. Bei dieser Route die kleinstmögliche wirksame Dosis verwenden, Nasenlöcher abwechseln und anschließend mit Kochsalzlösung spülen.
  6. Höhere Dosen wirken sedierend, nicht stimulierend. Nach mittleren bis starken Dosen kein Auto fahren und keine Maschinen bedienen. Euphorische Effekte bei berauschenden Dosen können in deutliche Sedierung übergehen.
  7. Ausreichend trinken und leicht essen. Nebenwirkungen bei höheren Dosen umfassen Übelkeit, Kopfschmerzen, erhöhten Appetit und Durst. Wasser oder Elektrolytgetränke über die Wirkdauer verteilt trinken.
  8. Bei Einnahme psychiatrischer Medikamente — insbesondere Antidepressiva, Stimmungsstabilisatoren oder Anxiolytika — vor der Verwendung von Kanna ärztlichen Rat einholen. Die serotonerge Aktivität kann mit vielen verschreibungspflichtigen Medikamenten interagieren.
  9. Die traditionelle Fermentation von Rohmaterial reduziert den Oxalatgehalt und verändert das Alkaloidprofil. Unfermentierte (rohe) Zubereitungen können höhere Oxalatwerte enthalten, die in großen Mengen Mund und Magen-Darm-Trakt reizen können.
  10. Verwendung während Schwangerschaft und Stillzeit vermeiden. Für diese Bevölkerungsgruppen liegen keine Humandaten zur Sicherheit vor. Tierstudien zeigen ein günstiges Sicherheitsprofil bei moderaten Dosen, dies begründet jedoch keine Sicherheit für vulnerable Gruppen.
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