Amanita Muscaria
Fliegenpilz, Roter Fliegenpilz, Glückspilz
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EinloggenBeschreibung
Amanita muscaria (Fliegenpilz) ist der ikonische rotkappsige, weißgefleckte Pilz aus Märchen und Bilderbüchern — und eine der ältesten psychoaktiven Substanzen der Menschheit. Sibirische und nordeurasische Völker nutzten ihn seit Jahrtausenden zeremoniell und rekreativ, und er bleibt in den meisten Ländern bis heute legal. Sein wichtigster Wirkstoff ist Muscimol, ein potenter GABA-A-Rezeptoragonist, der ein einzigartiges sedativ-dissoziativ-delirantes Erlebnis erzeugt, das sich grundlegend von klassischen serotonerg wirkenden Psychedelika wie Psilocybin oder LSD unterscheidet. Der Pilz enthält außerdem Ibotensäure, einen neurotoxischen NMDA-Rezeptoragonisten, der durch Decarboxylierung beim Trocknen oder Erhitzen in Muscimol umgewandelt wird.
Im Gegensatz zu Psilocybin-„Zauberpilzen" enthält Amanita muscaria keine der tödlichen Amatoxine des Amanita phalloides (Grüner Knollenblätterpilz). Obwohl er als giftig klassifiziert ist, sind Todesfälle durch A. muscaria allein in der modernen Ära extrem selten — die North American Mycological Association hat erklärt, dass es in den letzten 100+ Jahren keine zuverlässig dokumentierten Todesfälle durch seine Toxine gibt. Dennoch erfordert der Pilz Vorsicht: Die Potenz variiert enorm zwischen Exemplaren, und unsachgemäße Zubereitung hinterlässt gefährlich hohe Mengen an neurotoxischer Ibotensäure.
Chemie
Die beiden wichtigsten bioaktiven Verbindungen in A. muscaria sind Muscimol (3-Hydroxy-5-aminomethyl-1-isoxazol, C₄H₆N₂O₂, Molmasse 114,10 g/mol) und Ibotensäure (α-Amino-3-hydroxy-5-isoxazolessigsäure, C₅H₆N₂O₄, Molmasse 158,11 g/mol). Beide teilen eine Isoxazol-Kernstruktur.
Ibotensäure ist die biosynthetische Vorstufe: Sie wird durch Decarboxylierung — Abspaltung einer CO₂-Gruppe — in Muscimol umgewandelt. Diese Umwandlung geschieht natürlicherweise beim Trocknen an der Luft und wird durch Hitze (70–80 °C), niedrigen pH-Wert oder UV-Bestrahlung (die das weniger aktive Nebenprodukt Muscazon erzeugt) beschleunigt. Richtiges Trocknen ist daher entscheidend, um das Muscimol-zu-Ibotensäure-Verhältnis zu maximieren.
Der Pilz enthält außerdem Spuren von Muscarin — nach ihm benannt, aber in zu geringen Mengen vorhanden, um pharmakologisch signifikant zu sein. Die Toxinkonzentrationen sind im Hut am höchsten, mäßig in der Basis und am niedrigsten im Stiel. Ein einzelner getrockneter Hut enthält typischerweise etwa 6 mg Muscimol und 30–60 mg Ibotensäure, wobei dieser Wert nach Region, Jahreszeit und Exemplar enorm schwankt.
Pharmakologie
Muscimol ist ein potenter, selektiver direkter Agonist am GABA-A-Rezeptor — dem wichtigsten inhibitorischen Neurotransmitter-Rezeptor im Säugehirn. Es bindet an dieselbe orthosterische Bindungsstelle wie GABA selbst, anders als Benzodiazepine und Barbiturate, die an allosterischen Stellen binden. Dieser direkte Agonismus erzeugt tiefe Sedierung, Anxiolyse, Muskelrelaxation und bei höheren Dosen einen charakteristischen dissoziativ-deliranten Zustand mit lebhaften, traumartigen Halluzinationen.
Ibotensäure wirkt als potenter Agonist an NMDA-Glutamatrezeptoren und bestimmten metabotropen Glutamatrezeptoren. Als exzitatorisches Neurotoxin trägt sie zu den stimulierenden Symptomen bei, die manchmal in der Anfangsphase berichtet werden (Unruhe, Zuckungen, Schwitzen), bevor die Muscimol-vermittelte Sedierung dominiert. Ein erheblicher Teil der aufgenommenen Ibotensäure wird innerhalb von 20–90 Minuten unverändert im Urin ausgeschieden, während ein Bruchteil in vivo zu Muscimol decarboxyliert wird.
Diese duale Pharmakologie — GABAerge Depression kombiniert mit glutamaterger Exzitation — macht die A.-muscaria-Erfahrung einzigartig unvorhersagbar und unterscheidet sie von jeder anderen Klasse psychoaktiver Substanzen. Das Gesamtwirkungsprofil lässt sich am besten als sedativ-dissoziativ-delirant beschreiben, mit gelegentlicher paradoxer Stimulation.
Wirkungen
Subjektive Wirkungen treten typischerweise 30–90 Minuten nach oraler Einnahme auf und erreichen nach etwa 3 Stunden ihren Höhepunkt:
- Sedierung und Schläfrigkeit — die vorherrschende Wirkung bei den meisten Nutzern; tiefer Schlaf mit ungewöhnlich lebhaften, luziden Träumen ist extrem häufig
- Euphorie und Stimmungsaufhellung — von sanfter Wärme bis zu intensiver Seligkeit
- Dissoziation — Gefühl der Trennung von Körper und Umgebung
- Wahrnehmungsverzerrungen — Makropsie und Mikropsie („Alice im Wunderland-Syndrom"), Tiefenwahrnehmungsänderungen, Farbverschiebungen, Perspektivverzerrungen
- Delirium — bei höheren Dosen Verwirrung, Desorientierung, Agitation und echte Halluzinationen (Wahrnehmung nicht vorhandener Dinge)
- Visuelle Effekte — meist „traumartig" statt geometrisch; periphere Fehlinterpretation von Objekten ist häufig
- Muskelentspannung und -krämpfe — beides kann paradoxerweise auftreten
- Übelkeit, Schwitzen, vermehrter Speichelfluss — besonders häufig beim Einsetzen
- Schmerzlinderung — anekdotisch von vielen Nutzern berichtet
- Angstlösung — ausgeprägte Anxiolyse durch GABAerge Aktivität, obwohl Angst bei sehr hohen Dosen auftreten kann
- Amnesie — retrograde Amnesie und Somnolenz folgen häufig nach höher dosierten Erfahrungen
Die individuelle Variabilität ist extrem: Die gleiche Dosis kann bei einer Person milde Entspannung und bei einer anderen ausgeprägtes Delirium hervorrufen. Die Erholung ist typischerweise innerhalb von 12–24 Stunden abgeschlossen, Kopfschmerzen und Restmüdigkeit können jedoch anhalten.
Harm Reduction
- Decarboxylierung: Hüte stets gründlich bei 70–80 °C trocknen, um Ibotensäure in Muscimol umzuwandeln. Niemals frische Exemplare konsumieren.
- Bestimmung: Der reife rote Hut mit weißen Warzen ist markant, aber unreife Knollenstadien von Amanita muscaria können tödlichen Arten wie A. phalloides oder Bovisten ähneln. Nur zuverlässig bestimmte oder kommerziell bezogene Pilze verwenden.
- Dosisunsicherheit: Da der Muscimolgehalt pro Gramm enorm variiert, ist fraktionierte Dosierung — Beginn mit ≤ 3 g getrocknet und schrittweise Steigerung in separaten Sessions — der einzig verantwortungsvolle Ansatz.
- ZNS-Depressions-Stacking: Muscimol ist ein direkter GABA-A-Agonist — Kombination mit jeder anderen GABAergen Substanz (Alkohol, Benzodiazepine, GHB, Barbiturate) oder Opioiden birgt das Risiko tödlicher Atemdepression.
- Kommerzielle „Amanita-Gummies" meiden: Diese Produkte enthalten oft schlecht charakterisierte Verhältnisse von Ibotensäure, Muscimol und Muscarin. Im Dezember 2024 hat die US-FDA den Einsatz von A.-muscaria-Bestandteilen in Lebensmitteln nach einer Serie schwerer Vergiftungsfälle verboten.
- Fahren und Maschinen: Muscimol beeinträchtigt Koordination, Reaktionszeit und Urteilsvermögen erheblich — für die gesamte Wirkdauer plus mehrere Stunden Nachwirkungen.
- Schwangerschaft und Lebererkrankungen: Ibotensäure wird hepatisch metabolisiert; A. muscaria sollte während der Schwangerschaft und bei eingeschränkter Leberfunktion vollständig gemieden werden.
Verwandte Substanzen
- Muscimol — der primäre Wirkstoff; siehe die separate Muscimol-Seite für Einzelsubstanz-Pharmakologie und Dosierungsdaten
- Ibotensäure — neurotoxischer NMDA-Agonist und Muscimol-Prodrug; in frischen und unzureichend getrockneten A. muscaria vorhanden
- Muscarin — in Spuren enthalten; Namensgeber der muscarinischen Acetylcholinrezeptoren, aber in A. muscaria pharmakologisch unbedeutend
- Muscazon — geringfügiger Metabolit der Ibotensäure, entsteht durch UV-Bestrahlung; minimale pharmakologische Aktivität
- Amanita pantherina (Pantherpilz) — verwandte Art mit Muscimol und Ibotensäure, wird allgemein als potenter und unberechenbarer beschrieben
- Amanita regalis (Königs-Fliegenpilz) — braunkappsiger Verwandter mit ähnlichen Wirkstoffen
- Psilocybin-Pilze — werden oft mit A. muscaria als „Zauberpilze" verwechselt, enthalten aber völlig andere Wirkstoffe (Psilocybin/Psilocin), die auf Serotoninrezeptoren wirken
Dosierung
Oral
| Schwelle | Leicht | Standard | Stark | Schwer |
|---|---|---|---|---|
| 1-3 g | 3-5 g | 5-10 g | 10-15 g | 15-30 g |
Wirkdauer
Oral
Safer Use
- Richtiges Trocknen ist entscheidend. Durch Decarboxylierung bei 70–80 °C wird die neurotoxische Ibotensäure in das deutlich sicherere Muscimol umgewandelt. Frische oder unzureichend getrocknete Pilze enthalten wesentlich mehr Ibotensäure — ein potentes NMDA-Agonist-Neurotoxin.
- Die Potenz schwankt extrem. Der Gehalt an Muscimol und Ibotensäure variiert enorm zwischen einzelnen Pilzen, Wachstumsregionen, Jahreszeiten und Varietäten. Frühlings- und Sommerexemplare können bis zu 10× mehr Wirkstoffe enthalten als Herbstfruchtkörper. Immer mit einem Bruchteil eines Hutes beginnen.
- Niedrig dosieren und mindestens 3 Stunden warten. Die Wirkung kann 30–90 Minuten bis zum Einsetzen brauchen und bis zu 3 Stunden zum Höhepunkt. Niemals nachdosieren, bevor die erste Dosis vollständig erlebt wurde.
- Einen nüchternen Tripsitter einsetzen. Tiefe Sedierung, Desorientierung, Delirium und Verlust der motorischen Koordination sind häufig. Ein klarer Begleiter ist besonders bei ersten Erfahrungen oder höheren Dosen unerlässlich.
- NICHT mit anderen ZNS-Depressiva kombinieren. Alkohol, Benzodiazepine, Opioide und GHB in Kombination mit Muscimol bergen ernstes Risiko für Atemdepression, Koma und Tod.
- Dies ist KEIN Psilocybin-Pilz. Amanita muscaria hat eine völlig andere Pharmakologie — GABAerg und glutamaterg, nicht serotonerg. Psilocybin-Dosierungslogik, Onset-Zeiten oder Trip-Management-Strategien gelten hier nicht.
- Niemals wild gesammelte Exemplare ohne Expertenbestimmung verzehren. Tödliche Arten wie Amanita phalloides (Grüner Knollenblätterpilz) und Amanita virosa (Kegelhütiger Knollenblätterpilz) können ähnlich aussehen, besonders im Knollenstadium.
- Übelkeit, Schwitzen und vermehrten Speichelfluss beim Einsetzen erwarten. Magen-Darm-Beschwerden sind in den ersten 1–2 Stunden üblich. In einem sicheren, bequemen Raum hinlegen.
- Auf mögliche tiefe Sedierung und Einschlafen vorbereiten. Viele Nutzer schlafen während der Erfahrung ein und berichten von extrem lebhaften, luziden Träumen. Vor der Einnahme sicherstellen, dass man sich in einer sicheren Umgebung befindet.
- Sessions zeitlich trennen und Häufigkeit begrenzen. Obwohl Amanita muscaria keine klassische psychedelische Toleranz aufbaut, erhöht wiederholter Konsum in kurzen Abständen die kumulative Ibotensäure-Exposition und das Neurotoxizitätsrisiko.
Nachweiszeiten
| Methode | Nachweisfenster |
|---|---|
| Urin | 12–48 Stunden |
Hinweis: Muscimol ist in standardmäßigen 5-, 10- oder 12-Panel-Drogentests nicht enthalten und verursacht keine falsch-positiven Ergebnisse. Spezialisierte GC-MS- oder LC-MS/MS-Tests können Muscimol und Ibotensäure im Urin nachweisen, werden aber äußerst selten durchgeführt.
Rechtsstatus
Diese Informationen dienen ausschließlich zu Bildungszwecken und stellen KEINE Rechtsberatung dar. Gesetze ändern sich häufig und können je nach Region, Bundesland oder Gemeinde variieren. Überprüfen Sie immer den aktuellen Rechtsstatus in Ihrer Gerichtsbarkeit, bevor Sie Entscheidungen treffen. Open Mind übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität dieser Daten.
Länderdetails 14 Länder anzeigen
NL Niederlande Illegal
Amanita muscaria and Amanita pantherina have been illegal to buy, sell or possess since December 2008.
Added to the Opiumwet (Opium Act) List II in 2008.
GB Vereinigtes Königreich Illegal
Illegal to produce, supply or import under the Psychoactive Substances Act 2016. Personal possession is not criminalised.
The Psychoactive Substances Act 2016 is a blanket ban on psychoactive substances not specifically exempted.
SE Schweden Illegal
Muscimol was classified as a Schedule I narcotic substance in Sweden effective December 30, 2025.
Sweden specifically scheduled muscimol via HSLF-FS 2025:73, making Amanita muscaria products containing muscimol illegal.
AU Australien Illegal
Muscimol is a Schedule 9 prohibited substance under the Australian Poisons Standard.
Schedule 9 substances may only be used for medical or scientific research with government approval.
RO Rumänien Illegal
Amanita muscaria is a prohibited substance in Romania.
Covered under Romanian drug control legislation.
DE Deutschland Legal
Amanita muscaria and muscimol are not scheduled substances in Germany.
The German BfR (Federal Institute for Risk Assessment) issued a 2025 warning about muscimol-containing products resembling sweets, particularly concerning child safety, but no scheduling action has followed.
AT Österreich Legal
Amanita muscaria is not a controlled substance in Austria.
Neither muscimol nor ibotenic acid appear in Austria's controlled substances lists.
CH Schweiz Legal
Amanita muscaria is not scheduled in Switzerland.
Neither muscimol nor ibotenic acid appear in Swiss controlled substances ordinances.
US Vereinigte Staaten Legal
Amanita muscaria is not a federally scheduled substance but is banned in food products. Illegal in Louisiana except for ornamental purposes.
In December 2024, the FDA issued an alert banning A. muscaria constituents in food products after a series of serious poisonings from commercial 'Amanita gummies'. Louisiana State Act 159 is the only state-level prohibition.
IE Irland Legal
Amanita muscaria is legal in Ireland. It was not covered by the 2006 regulation that prohibited psilocybin mushrooms.
Only psilocybin-containing mushrooms were targeted by the Misuse of Drugs Act amendments.
RU Russland Legal
Amanita muscaria is not included in Russia's list of prohibited substances.
Widely available in Russia; traditional use in Siberian cultures.
PL Polen Legal
Amanita muscaria is not a controlled substance in Poland but cannot be sold for human consumption.
Not listed in Poland's controlled substances schedules. Food safety regulations prohibit sale for consumption.
MX Mexiko Legal
Amanita muscaria is not included in Mexico's general health law controlled substance lists.
Not included in the Ley General de Salud substance schedules.
TH Thailand Legal
The use, storage, transport and sale of Amanita mushrooms is permitted in Thailand.
Not included in Thailand's narcotics schedules.
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